Wilhelm Löffel

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Leben und Wirken

Wilhelm Löffel alias Knöpfle wurde 1871 im Stuttgarter Bohnenviertel geboren, dem damaligen Zentrum der Weingärtner. Wie für seinen Vater kam auch für ihn nur dieser Beruf in Frage. Doch er lohnte sich immer weniger, und so kaufte Wilhelm Löffel 1907 das Kurhotel Hohenwaldau in Degerloch. Dort bewirtete er seine Gäste und unterhielt sie auch mit seinem nicht versiegenden Humor. Noch lieber fühlte er sich als Dichter denn als Wirt geschätzt – als Mundartdichter vor allem. Ab 1908 bis 1914 schrieb er im Stuttgarter Neuen Tagblatt, der damaligen Stuttgarter Zeitung, seine Kolumnen unter dem Titel „Ansichten des Weingärtners Knöpfle vom Bohnenviertel“. Er publizierte sie zugleich im „New Yorker Schwäbischen Wochenblatt“ für die ausgewanderten Schwaben. Das machte ihn weithin bekannt. Mit Kriegsbeginn 1914 verstummte er jedoch als Schriftsteller. Sein Kurhotel musste er 1918 notgedrungen verkaufen. Statt Wirt wurde er nun Angestellter beim Städtischen Elektrizitätswerk. 1920 nahm er seine Kolumnen in Amerika wieder auf – mit langen Unterbrechungen bis 1933. In Stuttgart gelang dies nicht mehr. Wilhelm Löffel ist 1935 in Weikersheim, dem Heimatstädtchen seiner Frau, unerwartet gestorben.

Die Admiral-Scheer-Straße in Degerloch (vorher Ludwigstraße) wurde 1946 nach ihm umbenannt in Löffelstraße

Quellen

Wilhelm Löffels literarisches Werk ist vielseitig. Neben zahlreichen Gedichten verfasste er auch Bühnenstücke und biografische Erzählungen, meist in schwäbischer Mundart, aber auch hochdeutsch. Die Deutsche Nationalbibliothek besitzt etliche Werke, das Stuttgarter Stadtarchiv hat einen Teilnachlass, und im Deutschen Literaturarchiv Marbach befindet sich eine dicke Mappe mit seinen Stuttgarter Kolumnen. Überdies gibt es im Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen Filme mit „Knöpfles“ New Yorker Beiträgen.

Werke

  • 1) Ein Abend am Wammestisch zum St. Leonhardt oder die verkrachte Verlobung, Posse in einem Aufzug, Selbstverlag, Stuttgart 1902, 16 S.
  • 2) Wilde Rosen. Eine Sammlung ernster, heiterer und satyrischer Gedichte, Verlag Mähler, Stuttgart, 1906, 24 S.
  • 3) Stuttgarter Originale. Humoristische Gedichte (nebst e. Anhang: Der Stuttgarter Weingärtner im Jahre 1950), Mähler, Stuttgart 1906, 16 S.
  • 4) Vom Immenhofen, eine poetische Sammlung wahrer Begebenheiten, Mähler, 1906, 47 S.
  • 5) Der Manöverhauptmann. Eine humorvolle Erinnerung, Mähler, 1906, 28 S.
  • 6) Oine vom Stand, Komödie in einem Akt, Mähler, 1906, 24 S. Zweite bzw. dritte (leicht veränderte) Auflage, 1913/1921, 28 S.
  • 7) Charles, Drama mit Gesang in 3 Akten, Mähler, 1906, 36 S.

Nr. 2-7 sind zusammengefasst in Nr. 8:

  • 8) Witz und Humor, sowie Allerhand aus der Stadt und vom Land! Gedichte, Erzählungen, Humoresken und Theaterstücke, Mähler 1906, 188 S.

Nr. 2-4 sind zusammengefasst in Nr. 9:

  • 9) Grob und Fein, schwäbischer Humor in Auswahl, Mähler, 1910, 47 S.
  • 10) Heiteres, Spitznamen und Anderes in schwäbischer Mundart, Mähler, 1916, 32 S.
  • 11) Im Dorfwirtshaus zu Immenhofen, schwäbische Komödie. Neue (unveränderte) Auflage, Mähler 1924, 23 S.; zuvor in Nr. 8 und in Nr. 4.
  • 12) Schwoba-Humor für unsere Feldgrauen, zusammengestellt aus d. schwäb. Gedichten und Schriften, Mähler, 1915 (unveränderter Abdruck von: „Wilde Rosen“, 24.S.; „Stuttgarter Originale“, 16 S.; „Der Manöverhauptmann“, 23 S.).
  • 13) Die Reichstagswahl. Humoristisch-dramatischer Scherz, Mähler 1924, zweite (unveränderte) Auflage, 14 S.; zuvor in Nr. 8 und Nr. 4.
  • 14) D'Verlobeng em Wengerthäusle oder D'r letschte Wengerter, schwäbische Komödie in einem Akt, Mähler, 1924, 24 S. Neue (unveränderte) Auflage 1935.
  • 15) Kraut ond Rüaba, Gedichte, Humoresken und Anekdoten in schwäbischer und hochdeutscher Mundart, Verlag Karl Felger, Stuttgart, 1929, 88 S.
  • 16) Schwoba-Humor. Neue schwäbische Witze, Anekdoten, Schnurren, Spitznamen und Heiteres in schwäbischer Mundart, Mähler, 1934, 39 S.
  • 17) Schtuagerter Wengerter. Spitznamen aus der Stuttgarter Spießbürgerzeit, den Holöchern gewidmet, o. O., 1935, 8 S.; zuvor in Nr. 10 und Nr. 16; auch im New Yorker Schwäbischen Wochenblatt vom 29. 4. 1925; früheste Fassung, o. O. und J., um 1910 (in der LB Stuttgart).
  • 18) Uffrichtig ond Gradraus, ein lustiges Schwabenbuch mit Gedichten und Vorträgen in schwäbischer Mundart von Otto Keller, Karl Umgelter, Rud. Mayer, W. Löffel, W. Unseld, C. Weitzmann und anderen, Mähler, Stuttgart, o. J. (nach 1916), 64 S.
  • 19) Heitere, lustige Schwobakoscht. Allerlei lustige Geschichten, Erzählungen, Gedichte bekannter schwäbischer Verfasser, Wilhelm Löffel (64 S.), Eugenie Huß (64 S.), Ludwig Palmer (43 S.), Mähler, 1937.


Standorte: das meiste in der Landesbibliothek Stuttgart. Darüber hinaus: Nr. 4 und Nr. 1: Rathausbibliothek Stuttgart; Nr. 12: UB Tübingen; Nr. 18: Stadtbücherei Reutlingen; Nr. 19: Dt. Bücherei Leipzig.

Literatur von und über Wilhelm Löffel

Hinweis: Die biografischen Daten im "Vorwort" dieser Seite sind nicht richtig: Das Geburtsjahr ist 1871. Laut Grundbuch kaufte Wilhelm Löffel das "Kurhaus Hohenwaldau" am 24.4.1907 und verkaufte es am 10.9.1918 an die Stadt Stuttgart. Im Adressbuch 1919 ist er als "gewesener Wirt" vertreten, von 1920-1925 als "Platzmeister" (beim Städtischen Elektrizitätswerk).

  • Wilhelm Löffel (Knöpfle), Kraut ond Rüaba, Vermischtes aus dr Scheuer. Gedichte, Geschichten, Szenen. Herausgegeben von Hartmut Löffel. Talfeldverlag, Biberach 1996:Kraut ond Rüaba
  • Hartmut Löffel: "Exportierte Heimat — Der schwäbische Mundartautor Wilhelm Löffel", Schwäbische Heimat, 2008 /1, Seite 50 bis 60.