Kaiser Wilhelm I.-Reiterstandbild

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Stuttgart / Baden-Württemberg


Zugehörigkeit, aktuell
Bundesrepublik Deutschland > Baden-Württemberg > Stuttgart-Innenstadt
historisch (1914)
Königreich Württemberg > Neckarkreis > Stadt Stuttgart

Art des Denkmals

Kaiser Wilhelm I.-Reiterstandbild

als Landesdenkmal des Königreiches Württemberg

Beschreibung des Denkmals

Das Denkmal erhebt sich in der Mitte eines vierseitigen Terrassen-Unterbaues, der an seiner Vorderseite von zwei großen, liegenden Löwen und an der Rückseite von zwei schlanken Obelisken flankiert wird.
Treppen führen auf die Plattform mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., der in einfacher Uniform mit Helm und Mantel auf schreitendem Pferd dargestellt ist. Die linke Hand faßt lose den Zügel, die Rechte ist auf die Hüfte gestützt. Aus der Vorderseite des Sockels ist das Reichswappen herausgearbeitet.

Inschriften am Denkmal

am Sockel des Reiterstandbildes
-?-
an den Obelisken, in goldenen Buchstaben
- Daten und Namen der wichtigsten Schlachten des Krieges 1870/71 -
linker Obelisk
1870 1870 1870 1870
COLOM-
BEY
14. AUG.


MARS
LA TOUR
16. AUG.

GRAVE-
LOTTE
18. AUG


BEAUMONT
30. AUG
KRIEGS
ER-
KLÄRUNG
19. JULI

WEISSEN-
BURG
4. AUG.

SPICHERN
6. AUG.



WÖRTH
6. AUG.
STRASS-
BURG
28. SEPT.


ORLEANS
11. OKT.
2:4. DEZ.

METZ
27. OKT.



DIJON
30. OKT.
NOISSE-
VILLE
31. AUG.
1. SEPT.

SEDAN
1. 2. SEPT.


EINSCHL.
VON
PARIS
19. SEPT.

TOUL
23. SEPT.
rechter Obelisk
1870 70–71 1871 1871
LE
BOURGET
30. OKT.
21. DEZ.

VERDUN
8. NOV.



AMIENS
27. NOV.




BEAUNE
LA


POLANDE
28. NOV.
VILLIERS
30. NOV.



CHAM-
PIGNY
7. DEZ.


BEAU-
GENCY
8.-12. DEZ.



NUITS
18. DEZ.


BAPAUME
3. JAN.
ÜBERG.
V. PARIS
28. JAN.


I. DEUT.
REICHS-
TAG.
21. MRZ.

REICHS-
VERASS.
16. APR.



FRANKFURT.
FRIEDE
10. MAI
LE MANS
10.:12. JAN.



BELFORT
15.:17. JAN.



WILHELM I.
DEUT.
SCHER
KAISER
18. JAN.

S. QUENTIN
MONT
VALERIEN
19. JAN

Standort

Karlsplatz, vor dem Alten Schloss

Verbleib

Das Denkmal ist am Standort erhalten.

Entwurf und Ausführung des Denkmals

Entwurf

ausführende Werkstätten / Material

- Terrassenanlage mit Löwen, Sockel und Obelisken
Granitwerk Blauberg
» fein gestockter grauer Granit
- Reiterstandbild
Kunstgewerbliche Werkstätte von Paul Stotz, Stuttgart
» Bronzeguss

Denkmal-Aufstellung auf dem Karlsplatz

Hofwerkmeister Nagel und Vischer, beide in Stuttgart

Maßangaben

  • Gesamthöhe: über 10 m
    • Höhe des Reiters: ca. 5 m

Werdegang des Denkmals

Projekt

  • Stifter:
    Bürger von Stuttgart und des Königreiches Württemberg;
    Denkmalausschuß-Vorsitzender: Kommerzienrat G. Siegle,
    Ehren-Vorsitz: Prinz Wilhelm von Württemberg
  • Gesamtkosten: ca. 200.000 Mark
  • Finanzierung:
    • Sammlungen freiwilliger Beiträge und Einzel-Spenden
    • öffentliche Geldmittel: 45.000 Mark

Errichtung des Denkmals

enthüllt 01.10.1898

Tabellarische Darstellung

Datum Geschehen
21.03.1888 (Vortag des Geburtstages Kaiser Wilhelms I.)
„Eine größere Anzahl von Bürgern Stuttgarts vereinigte sich ..., um die Errichtung eines würdigen Denkmals für Kaiser Wilhelm I. in die Hand zu nehmen." (Q 2)
03.1888 Spendenaufruf an die Einwohner Stuttgarts
08.1888 Spendenaufruf an das Land Württemberg
17.01.1889 Beschluss des Ausschusses, auf dem Karlsplatz in Stuttgart ein Landesdenkmal für Kaiser Wilhelm I. zu errichten.
10.07.1890 1. Konkurrenz; Eingang: 26 Modelle
1890/91 Preisentscheidung:
1. Preis: Architekt Skjold Neckelmann und Bildhauer Theodor Bausch, beide Stuttgart
2. Preis: Bildhauer Max Klein, Berlin
3. Preis: Bildhauer Adolf von Donndorf, Stuttgart
1891 Prinz Wilhelm, Ehrenvorsitzender des Denkmalausschusses, wird als Wilhelm II. König von Württemberg.
11.1892 Staatsrat Johann von Pischek übernimmt die Leitung des geschäftsführenden Ausschusses.
» 1993 wurde er Minister des Innern.
1892/93 Innerhalb des Denkmalausschusses kann man sich nicht auf einen Entwurf zur Ausführung einigen, nachdem auch das Preiskomitee keinen der Entwürfe zur Ausführung für geeignet hält.
1893 Auf Vorschlag des Königs werden 20 Bildhauer (u.a. Theodor Bausch, Adolf von Donndorf, Gustav Eberlein, Hermann Hidding, Max Klein, Wilhelm von Rümann und Johannes Schilling) zu einem „engeren Wettbewerb" eingeladen (12 Zusagen).
» Die Kosten übernahm der König als Protektor des Denkmalunternehmens selbst.
16.04.1894 Tagung des Preisgerichtes (Bildhauer Joseph von Kopf, Robert Diez, Syrius Eberle, Architekt Ludwig Eisenlohr und Excellenz von Pischek) im Festsaal des Museums der bildenden Künste;
Preisentscheidung:
1. Preis: Bildhauer Wilhelm v. Rümann und Architekt Friedrich Thiersch, beide in München
2. Preis: Bildhauer Max Klein, Berlin
3. Preis: Bildhauer Hermann Hidding, Berlin
Sommer 1894 Mit Genehmigung des Königs erhalten Rümann und Thiersch den Auftrag, das Denkmal nach ihrem Entwurf auszuführen.
1897 Fertigstellung des Gussmodells durch Rümann
1897 Die Gießerei Paul Stotz in Stuttgart wird mit dem Bronzeguss beauftragt.
1898 Guss des Reiterstandbildes in der Gießerei Stotz
01.10.1898 Feierliche Enthüllung des Denkmals
in Anwesenheit des Königs, der Königin, der Prinzessin Pauline, des Prinzen zu Wied und zahlreicher Ehrengäste
07.1986 „... Wilhelm I. muss um seinen angestammten Platz im Zentrum von Stuttgart bangen. Schuld daran sind die Grünen im Gemeinderat der Landeshauptstadt.
'Der Kartätschenprinz', so in einem Antrag an die Verwaltung, 'soll im doppelten Sinn des Wortes erniedrigt werden. S. M. kollidieren nicht nur mit der republikanischen Gesinnung der Antragsteller. Das Reiterstandbild steht auch einer alternativen Nutzung des Karlsplatzes im Weg. ...'
Nach der auf einer Mitgliederversammlung der Grünen gefundenen Idee sollen Kaiser, Pferd und Sockel schnellstmöglich' demontiert und 'in den ehemaligen Wirkungskreis der dargestellten Person' zurück verfrachtet werden - als Schenkung des Landes an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin. ...
'Wir haben die Sache im Haus besprochen', bestätigt Albert Horn, Ministerialdirigent im Stuttgarter Finanzministerium. Ergebnis: 'Der Kaiser wird nicht versetzt. ...'"

Literatur- und Quellenangaben

  1. Abshoff, Fritz: Deutschlands Ruhm und Stolz, Berlin 1903, S. 198
  2. Kuntzemüller, Dr. Otto: Die Denkmäler Kaiser Wilhelms des Großen, Bremen o.J. (1903), S. 67ff
  3. Vomm, Wolfgang: Die Reiterstandbilder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Dissertation, Bergisch Gladbach 1979
    1. Band I, S. 336f
    2. Band II, Kat.-Nr. 177
  4. Gnewuch, Uta: Hermann Hidding - Leben und Werk eines westf. Bildhauers in Berlin, Diss. Berlin 1988, Kat-Nr. 15, S. 198ff
  5. Deutsche Bauzeitung
    1. Nr. 24 vom 29.10.1890, S. 528
    2. Nr. 25 vom 11.04.1891, S. 180
  6. Kunst für Alle
    1. Nr. 9 - 1893/94, Heft 8, S. 123
    2. Nr. 9 - 1893/94, Heft 16, S. 255
  7. Künstlerlexikon Thieme-Becker, Band 33, S. 35
  8. Seiner Majestät wird der gehörige Respekt verwehrt - in: Die Welt vom 10.07.1986
  9. Stephan, Bärbel: Sächsische Bildhauerkunst - Johannes Schilling 1828 - 1910, Berlin 1996, S. 235 (Kat-Nr. 207)
  10. Zentralregister der Preußischen Personen- und Kriegerdenkmäler - Z 267 (16.06.2002)
  11. Kunstchronik NF V, Nr. 8, 14.12.1893, Sp. 129