Architektur und Baugeschichte der Wilhelma

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Die Wilhelma (Link zum Hauptartikel) wurde ursprünglich um das Jahr 1850 in Stuttgart Bad Cannstatt durch Karl-Ludwig von Zanth als "Gartenhaus mit Wohngebäuden und Ziergewächshäusern im Maurischen Stil" erbaut. Auftraggeber war der damalige württembergische König Wilhelm.

Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die zerstörte Schlossanlage zu einem Zoologisch-Botanischen Garten ausgebaut, der heute mit ca. 1000 Tier- und 5000 Planzenarten bis heute einer der artenreichsten Zoos in Deutschland wurde. Etwa 10.000 Tiere werden momentan auf 28 ha Fläche präsentiert. Deshalb ist die Architektur des Zoos immer noch durch die Bauten des Gründerzeit mit einem starken Akzent auf der arabischen Kultur geprägt.

alter Plan von 1855

Architektur und Baugeschichte der Wilhelma

Am Anfang war dies eine Kopie aus:


Legende zum Plan von Karl Ludwig von Zanth von 1855

  • Rote Linie = innerer Wandelgang,
  • B = Belvedere,
  • DH = Damaszenerhalle,
  • GB = Großes Bassin,
  • GG = Gewächshausgang,
  • HE = Haupteingang,
  • HS = Halbmondsee,
  • LS = Langer See,
  • MF = Maurischer Festsaal (heute Aquarium‑Terrarium),
  • ML = Maurisches Landhaus,
  • NP = Nördlicher Pavillon,
  • SP = Südlicher Pavillon,
  • TW = äußerer Wandelgang mit der Terrakottawand,
  • WG = Wintergarten,
  • WT = Wilhelma‑Theater.
  • 1 = Hauptpavillon des inneren Wandelgangs,
  • 2 u. 3 = Nebenpavillons, axial zu den Eckpavillons der Gewächshausflügel,
  • 4 u. 5 = Nebenpavillons, axial zu den Pavillons SP bzw. NP,
  • 6 u. 7 = Bogenpavillons, 8 u. 9 = Eckkioske der Laubengänge,
  • 10 u. 11 = Eckpavillons der Gewächshausflügel

Frühere Zooanlagen in Stuttgart

Datei:Gustav Werner im Löwenkäfig.jpg
Gustav Werner im Löwenkäfig, 1864 oder früher

Der Wilhelma, die erst seit der Nachkriegszeit zoologische Elemente beinhaltet, gingen mehrere zoologische Einrichtungen voraus. Darunter befand sich die 1812 von Friedrich I., dem damaligen König von Württemberg, gegründete Menagerie auf dem Gelände eines königlichen Landschlösschens beim heutigen Neckartor. Besonderheiten waren in jener Zeit die Tafeln mit Erläuterungen zu den Tieren in den Gehegen und die Öffnung der Anlage für das „normale“ Volk. In der Menagerie wurden 220 Tiere gehalten, darunter Elefanten, Affen und Papageien. 1816, nach dem Tod des Königs, wurde sie aus Kostengründen geschlossen. 1840 entstand der nach dem Beinamen seines Besitzers benannte Affenwerner, eine als Zoo erweiterte Gastwirtschaft. Gustav Friedrich Werner, Eigentümer des Zoos, führte zur Unterhaltung seiner Gäste Dressuren mit Löwen, Bären, Affen und Papageien vor. Nach seinem Tod wurde auch dieser Tiergarten 1873 geschlossen. Zwei Jahre zuvor war der, nach seinem Gründer Johannes Nill benannte, Tiergarten Nill am Herdweg eröffnet worden. Dieser bestand bis 1906 und beherbergte bis zu 500 Tiere. 1907 legte der Fabrikant Theodor Widmann den Tiergarten an der Doggenburg an. Die von Gustav Bücheler weitergeführte Anlage schloss 1942.<ref>Uwe Albrecht: Stuttgarter Zoogeschichte(n). In: Schönes Schwaben. Juli/August 2006.</ref><ref>Wo Soldaten Lokalverbot hatten. Stuttgarter-Zeitung.de, 8. Dezember 2015, abgerufen am 4. Mai 2016.</ref>

Historische Anlage

Datei:Zanth, Karl Ludwig von, nummerierte Ansicht der Wilhelma von 1855 dick.jpg
Ludwig von Zanth: Ansicht der Wilhelma von 1855.
1b: Langer See (abgeschn.), 1a: Halbmondsee, 2: Maurischer Festsaal mit angrenzendem Maurischen Garten, 3: Maurisches Landhaus, 4: Belvedere

Während der Gestaltung der Parkanlagen im Umland des 1829 fertiggestellten Schlosses Rosenstein wurden bei vermutlich gezielt vorgenommenen Bohrungen Quellen des für die Kurstadt Bad Cannstatt bedeutenden Mineralwasservorkommens entdeckt.<ref>Maximilian Friedrich Grimm: Die historische Wilhelma. Faszination Orient im 19. Jahrhundert. ISBN 978-3-89235-125-2, S. 10.</ref> König Wilhelm I. entwickelte die Idee, dort ein „Badhaus“ errichten zu lassen, die bald um einen privaten Lustgarten anwuchs. Dabei griff er den aus dem Jahr 1825 stammenden Wunsch nach einer eigenen Fasanerie und Orangerie sowie eines Saales wieder auf.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 29.</ref> Giovanni Salucci, der Planer des Schlosses Rosenstein, entwarf daraufhin eine entsprechende Anlage. Weil sich die Planung an griechischen Vorbildern orientierte, wurde sie vom König allerdings verworfen. Stattdessen wurde Karl Ludwig von Zanth beauftragt, eine Anlage im gotischen oder maurischen Stil zu entwerfen.

Wilhelma-Theater

Vorlage:Hauptartikel

  • Das Wilhelma-Theater befindet sich außerhalb des Zoos an der Ecke Pragstraße/Neckartalstraße auch wenn es seit Beginn Teil dieser Anlage war.

Bevor die Realisierung der Planung begann, sollte von Zanth ein Theater entwerfen, um zu zeigen, dass er ein derartiges Projekt in gewünschter Art und Weise realisieren konnte. Am 6. April 1837 hatte Wilhelm das Obersthofmeisteramt damit beauftragt, das Landhaus Bellevue abzubrechen, um ein Theater zu bauen.<ref>Vorlage:Google Buch</ref> Am 24. Juni 1838 genehmigte er den mit Kosten in Höhe von 80.463 Gulden veranschlagten Bau im pompejianischen Stil anstelle der von der Stadt Cannstatt gewünschten Spielbank.<ref>Judith Breuer u. a.: Erweckung aus dem Zauberschlaf – Zur Restaurierung des Wilhelmatheaters in Stuttgart-Bad Cannstatt. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. S. 65.</ref>

Nach dem im Frühjahr 1839 die Baumaßnahmen begonnen hatten, konnte das Theater am 29. Mai 1840, am Namenstag Wilhelms, eröffnet werden.<ref>Karl Ludwig von Zanth Die Wilhelma Maurische Villa seiner Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg entworfen und ausgeführt von L. v. Zanth. S. 6.</ref>

Im Jahr 1985 wurde es auf Veranlassung des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth grundlegend saniert und ausgebaut. Seit 1987 dient es der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart als Lern- und Lehrtheater, für die Studienbereiche Opern- und Schauspielschule, Figurentheater, Sprecherziehung, Liedklasse etc.<ref>Wilhelmatheater Website der Wilhelma, abgerufen am 3. April 2016.</ref>

Das Gebäude nordöstlich des Haupteingangs, das sowohl als Kur- als auch als Hoftheater genutzt wurde,<ref>Ute Schmidt-Contag: Stuttgart, die Schlösser und ihre Gärten: das Werden der Schlösser und Gärten von der gräflichen Residenz bis zur Internationalen Gartenbauausstellung. S. 93/94.</ref> ist das einzige noch in der Originalbemalung erhaltene Theater Deutschlands im pompejianischen Baustil.

Eingangspavillon und Terrakottawand

Vorlage:Hauptartikel

1846 wurde das als Mittelpavillon oder Garten-Saal<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, besonders S. 115.</ref> bezeichnete spätere Kassenhaus errichtet. Es liegt ein Fuß (0,28 Meter) über dem historisch höchsten Wasserstand des Neckars. Auch ein bis heute erhaltener, unterhalb des Mittelpavillons gelegener Gewölbekeller entstand, der zur Zucht von Champignons genutzt wurde.

Vom Pavillon führte ein überdachter Gang zum Wilhelma-Theater. Gestaltet war dieser mit von Wilhelm Pilgram gefertigten Ölmalereien von Tieren und Seeungeheuern; aufgrund von Feuchtigkeitsschäden mussten diese aber 1856 durch die bis heute erhaltenen und 1997 restaurierten reliefartigen Terrakottaplatten ersetzt werden.<ref>Eingang und Terrakottawand Website der Wilhelma, abgerufen am 1. Juli 2015.</ref><ref>Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3, S. 33.</ref><ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, besonders S. 116/117.</ref> Die Dachkonstruktion wurde größtenteils im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Maurisches Landhaus

Vorlage:Hauptartikel

Datei:Wilhelm.png
Wilhelm I. vor dem Maurischen Landhaus

Ab 1837 plante von Zanth das Maurische Landhaus als Badehaus mit integriertem Wohntrakt und Gewächshäusern. Die Arbeiten begannen im Frühjahr 1842.<ref>Karl Ludwig von Zanth: Die Wilhelma Maurische Villa seiner Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg entworfen und ausgeführt von L. v. Zanth. S. 6/7.</ref> Die Gewächshäuser beherbergten damals im Winter die Orangerie.<ref>Maurisches Landhaus Website der Wilhelma, abgerufen am 30. Juni 2015.</ref> Hierbei kam es aufgrund der immensen Kosten (ein 1842 festgelegtes Maximum von 20.000 Gulden wurde um das Siebeneinhalbfache überschritten) und vehementer Kritik (insbesondere durch den Cannstatter Kirchenkonvent) zu massiven Verzögerungen. Deshalb wurde auch der Plan mehrmals überarbeitet, so wurde anstelle einer 650.000 Gulden teuren dreiflügeligen Anlage mit Hof und sechs Badezimmern lediglich ein Badezimmer in einem in 13 Räume gegliederten, 26 Meter langen und 22 Meter tiefen Gebäude eingerichtet, das 235.000 Gulden kostete, damit 35.000 mehr als nach den Kürzungen geplant (Hauptgrund war der Einbau einer Warmwasserheizung).<ref>Maximilian Friedrich Grimm: Die historische Wilhelma Faszination Orient im 19. Jahrhundert. ISBN 978-3-89235-125-2, S. 17/18 und 26/27</ref><ref>Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod: Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Eine unterhaltsame Plauderei auf Grund reichhaltigen amtlichen Quellenmaterials. S. 82/83.</ref>

Trotz dieser Widerstände konnten die Arbeiten im Juli 1846 beendet und die seit 1845 nach Wilhelm benannte Wilhelma am 30. September 1846 eingeweiht werden. Dies geschah anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Karl mit der Zarentochter Olga Nikolajewna, die am 13. Juli 1846 in Schloss Peterhof getraut wurden und am 23. September in Stuttgart einzogen.

Maurischer Garten

Foto: Der Maurische Garten mit „Großem Bassin“ vom Maurischen Landhaus aus gesehen, dahinter der später fertiggestellte Maurische Festsaal mit angrenzendem Wandelgang

Der als Maurischer Garten bezeichnete innere Garten der Wilhelma entstand parallel zum angrenzenden Maurischen Landhaus und wird mit diesem zusammen als Herzstück der Wilhelma betrachtet.<ref>Dieter Jauch: Wilhelma – Der zoologische-botanische Garten in Stuttgart. ISBN 978-3-87779-071-7, S. 33.</ref><ref>Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3, S. 36.</ref>

Das dort befindliche „Große Bassin“ und die beiden links und rechts davon platzierten kleineren Bassins wurden 1847/1848 mit Fontänen ausgestattet, was damals eine technische Herausforderung darstellte.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 40.</ref> In den 1950er Jahren wurde der mit Wassergeflügel besetzte Teich, zu dem das große Becken geworden war, mit Seerosen bestückt. Er schrieb als größtes beheizbares Wasserbecken Europas Geschichte (800.000 Liter Fassungsvermögen<ref> Älteste Wilhelma-Seerose ist 168 Jahre alt Artikel von morgenweb.de vom 17. August 2019, zuletzt abgerufen am 18. August 2019 </ref>).<ref>Albert Schöchle: Erlebte Wilhelma – Ein Begleiter durch das Pflanzen- und Tierreich. 5., verbesserte Auflage. Stehn’s Buch- und Verlagshandlung, S. 40.</ref>

Der Maurische Garten grenzt an den für 97.000 Gulden errichteten Wandelgang,<ref>Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod: Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Eine unterhaltsame Plauderei auf Grund reichhaltigen amtlichen Quellenmaterials. S. 88.</ref> der die Flüstergalerie enthält. Es handelt sich dabei um ein physikalisches Phänomen, das eine problemlose Unterhaltung in gedämpfter Lautstärke über eine Distanz von ca. 40 Metern ermöglicht. Die Flüstergalerie befindet sich auf der rechten Seite hinter dem äußeren Pavillon in Richtung Maurischer Garten. Dort weist eine Tafel auf das 2010 von Uwe Laun wiederentdeckte Phänomen hin.<ref>Die Entdeckung: „Flüstergalerien“ im Wandelgang Website der Wilhelma, abgerufen am 3. April 2016.</ref> Der Wandelgang ist mittels großformatigen mauresken Fliesensternen, der sogenannten Fliesenwand, gestaltet.

Von dort führt ein Zugang zum Gewächshaus, das bis zum heutigen Eingangsbereich reicht, also in die Nähe des Mittelpavillons. Das Gewächshaus entstand zwischen 1852 und 1853 anstelle einiger kleiner Glashäuser und dem 1839 gebauten Ananastreibhaus. Um eine möglichst geld- und zeitsparende Errichtung zu gewährleisten, entstanden die Gusseisenteile in Serie. Dies war eine der ersten systematischen Anwendungen der Fertigbauweise im damaligen Königreich. Um die Bauweise der Gusseisenteile und die Heiztechnik zu studieren, unternahm Zanth eigens eine Reise nach Großbritannien, die ihn auch nach Frankreich und in die Niederlande führte. Als Besonderheit, wenn nicht gar als Einmaligkeit wurde das Glas-Eisen-Konstrukt mit arabeskenhafter orientalischer Ornamentik gestaltet.<ref>Maximilian Friedrich Grimm: Die historische Wilhelma Faszination Orient im 19. Jahrhundert. ISBN 978-3-89235-125-2, S. 69/70.</ref>

An den Garten grenzen zwei Pavillons, die von 1987 bis 2006 restauriert wurden.

Maurischer Festsaal

Das größte Gebäude der königlichen Wilhelma war der ab 1847 erbaute Maurische Festsaal, welcher trotz der durch die Deutsche Revolution bedingten Idee, den Bau einzustellen, am 21. Oktober 1851 eröffnet wurde.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 71.</ref><ref>Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod: Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Eine unterhaltsame Plauderei auf Grund reichhaltigen amtlichen Quellenmaterials. S. 89.</ref> Das Gebäude gegenüber dem Maurischen Landhaus grenzte an den Maurischen Garten. Es enthielt Gemälde von Julius Lettenmayer.<ref name="dehio">Dagmar Zimdars (Bearb.): Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler (Dehio-Handbuch) Baden-Württemberg II. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1997, ISBN 3-422-03030-1, S. 24–25.</ref> Im Festsaal fanden verschiedene Veranstaltungen statt. Während der Stuttgarter Kaisertage im Jahr 1857 waren neben König Wilhelm I. von Württemberg Zar Alexander II. und Kaiser Napoleon III. anwesend. Napoleon soll gesagt haben, er besitze selbst viel Schönes und habe schon viel Schönes gesehen, aber etwas, das sich mit der Wilhelma vergleichen lasse, nicht.<ref>Julius Bernhard: Reisehandbuch durch Württemberg und die angrenzenden Länderstriche der Nachbarstaaten. P. Gauger, Stuttgart 1863, Vorlage:Google Buch</ref>

Durch die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs wurde der Maurische Festsaal schwer beschädigt. Nach einigen Jahren als Ruine wurde er in den 1960er Jahren abgetragen. Ein Teil des Eingangsportals konnte bestehen bleiben, dort befinden sich heute Räumlichkeiten für Seminare.<ref>Maurischer Festsaal Website der Wilhelma, abgerufen am 30. Juni 2015.</ref> Die Stelle des Festsaals nimmt heute die Krokodilhalle ein. Der jetzt als Seelöwenbecken genutzte Halbmondsee befand sich vor dem Festsaal.

Belvedere und Subtropenterrassen

Ebenfalls 1851 wurde das Belvedere als Aussichtspavillon fertiggestellt,<ref>Dieter Jauch: Wilhelma – Der zoologische-botanische Garten in Stuttgart. ISBN 978-3-87779-071-7, S. 76.</ref> der bis zur Erweiterung von 1968 den Abschluss der Wilhelma bildete. Ältere Pläne von Zanths aus dem Jahr 1844 sahen anstelle des Belvederes einen Aussichtsturm vor.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 92.</ref> Vom Platz des heute nicht öffentlich begehbaren Pavillons aus sind das Gelände der Wilhelma, das Neckartal und die Grabkapelle auf dem Württemberg zu sehen.<ref>Belvedere und Subtropenterrassen Website der Wilhelma, aufgerufen am 17. Mai 2016.</ref>

Die drei Stufen der Subtropenterrassen unterhalb des Belvederes waren zwischen Juni 1835 und Sommer 1836 von Tagelöhnern (circa 160 am Tag) und Sträflingen (33 bis 43 am Tag) erbaut worden.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 87.</ref> Sie beherbergten in der Vorkriegszeit Zierobst, die Orangerie (bis 1853)<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 51.</ref> und Weinreben. Ihren Namen erhielten sie jedoch erst in den 1980er Jahren.

Die von Zanth geplante Wilhelma war zwei Jahre nach Eröffnung des Festsaals mit Vollendung des Wintergartens fertiggestellt .Bei einer Aufwertung von 1850 bis 1856 wurden Brunnen, Tierplastiken und 48 Vasen ergänzt.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 93.</ref> Acht der neun Tierskulpturen wurden zwischen 1846 und 1857 von Albert Güldenstein gefertigt. Die Statue Stier, von einem Löwen angegriffen stammt von einem unbekannten italienischen Bildhauer aus der Zeit vor 1817. Die Skulptur Löwe, der sein Junges verteidigt ist verschollen, ihr ehemaliger Standort unbekannt.

Damaszenerhalle

Nach Zanths Tod 1857 entstand zusätzlich die Damaszenerhalle mit angeschlossener Fasanerie und Geflügelzucht. Sie wurde 1864 eröffnet, im selben Jahr, in dem König Wilhelm verstarb. Die Halle wurde auf Grundlage von Plänen Zanths unter Wilhelm Bäumer realisiert.<ref>Karl Ludwig Wilhelm von Zanth und die Wilhelma: eine kurze Einführung zum 200. Geburtstag des Architekten Online Publikationen der Universität Stuttgart, S. 22, aufgerufen am 18. Mai 2016.</ref> Das Gebäude ist nach der Stadt Damaskus benannt, einem Zentrum des Maurischen Stils.<ref>Damaszenerhalle Website der Wilhelma, aufgerufen am 2. Mai 2016.</ref> 1864 hob Wilhelms Sohn Karl das Zutrittsverbot für die Öffentlichkeit auf.<ref>Die Najade. Organ für deutsches Kur- und Badeleben, Nr. 3, 1866, Vorlage:Google Buch.</ref> Wer damals die Wilhelma besuchen wollte, musste dies beim Obersthofmeisteramt beantragen,<ref>Karl Baedeker: Deutschland und Österreich: Handbuch für Reisende. Coblenz Verlag von Karl Baedeker, 1872, S. 483, Vorlage:Google Buch.</ref> und es wurde in der Regel genehmigt. Da 1880 die namentliche Ausstellung von Eintrittskarten beendet wurde, wird diese Jahreszahl meist als Zeitpunkt der Öffnung der Wilhelma gewertet.<ref name="Geschichte 19Jh" /><ref>Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3, S. 32/33.</ref><ref>Oskar Gerhardt: Stuttgarts Kleinod: Die Geschichte des Schloßgartens, Rosensteins sowie der Wilhelma. Eine unterhaltsame Plauderei auf Grund reichhaltigen amtlichen Quellenmaterials. S. 99.</ref>

Als einziges Gebäude kam die Damaszenerhalle im Krieg nicht zu großem Schaden, sie diente als „kleines“ Raubtierhaus. Seit ihrer Restaurierung 1992 sind Deckenausstattung und Innengestaltung in der Form zu sehen, wie sie vor der Zerstörung in Festsaal und Landhaus vorherrschten. Für Hochzeiten wird die Halle vermietet. Im hinteren Teil befindet sich ein Museum über die königliche Wilhelma. Der Damaszenerhalle vorgelagert ist der Lange See.

Zoologisch-botanischer Garten

Vorgeschichte

Datei:Stuttgart Wilhelma 1912 (1).JPG
Gartenanlage in der Wilhelma, 1912

Mit der Auflösung des württembergischen Hofes ging die Wilhelma 1918/19 in den Besitz des Volksstaats Württemberg über.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 27.</ref> Nach dem Ende der Monarchie wurde sie als kleiner botanischer Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Orchideensammlung galt bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges als deutschlandweit einzigartig<ref name="Schöchle 129">Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 129.</ref> und leistete durch den Verkauf von Nachzuchten einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des botanischen Gartens. Eine Trennung zwischen dem Rosensteinpark und der Wilhelma, die zuvor teils als „unterer Park“ bezeichnet wurde, erfolgte erst in den frühen 1930er Jahren.<ref>Rainer Herzog: Wilhelma Stuttgart. Dokumentation der historischen und gestalterischen Entwicklung der Wilhelma-Gartenanlagen. Stuttgart 1990, S. 27.</ref> 1939 war die Wilhelma Teil der Reichsgartenschau.<ref name="Schöchle 129" />

Die Wilhelma wurde im Zweiten Weltkrieg bei zwei Luftangriffen in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1944 schwer beschädigt.<ref name="Geschichte 20 Jh">Geschichte der Wilhelma – 20. Jahrhundert Website der Wilhelma, aufgerufen am 10. April 2016.</ref> Große Teile der Anlage waren in einem ruinösen Zustand. Die Pflanzen (darunter auch die als herausragend geltenden Bestände an Orangen und Azaleen<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 130/131.</ref>) waren, soweit man sie nicht vorsorglich ausgelagert hatte, zerstört. Nach Kriegsende gehörte die Wilhelma dem Land Württemberg-Baden, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Entstehung

Datei:Seelöwenbecken.jpg
Seelöwenbecken, im Hintergrund das Aquarium

Albert Schöchle, seit 1933 amtierender Direktor, begann im Herbst 1945 mit den Mitarbeitern, die nach dem Weltkrieg noch präsent waren und arbeiten konnten, die Wilhelma wieder aufzubauen. Zusätzlich pflanzte man Gemüse für die Krankenhäuser der Stadt an.<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 140.</ref> Beim Wiederaufbau musste aus finanziellen Gründen äußerst provisorisch gearbeitet werden. Um die Attraktivität der Wilhelma zu steigern, griff Schöchle die aus der Vorkriegszeit stammende Idee eines „Wilhelmazoos“ wieder auf.<ref>Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3, S. 29.</ref> Hierfür wollte er temporäre Ausstellungen nutzen. Im Jahr der Wiedereröffnung 1949 wurde eine Aquarienschau organisiert.<ref name="Schöchle 149">Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 149.</ref> 1950 gab es die damals größte deutsche Vogelschau, die Kasuare, eine Fasanerie, Nandus, Strauße und Paradiesvögel zeigte.<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 153.</ref> Im selben Jahr folgte die Ausstellung Tiere des deutschen Märchens mit Braunbären und Löwen.<ref name="Schöchle 149" /> Schlangen, Saurier und Krokodile präsentierte Riesenschildkröten, Anakondas, Pythons und Krokodile. Afrikanische Steppentiere (1951) zeigte Antilopen, Wasserböcke, Zebras, Gnus und Giraffen.<ref name="Schöchle 154">Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 154.</ref> Die Ausstellung „Indische Dschungeltiere“ (1952) konnte die meisten Großtiere aufweisen und führte trotz einer sechzigprozentigen Erhöhung der Eintrittspreise zu einer erheblichen Steigerung der Besucherzahlen.<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 159.</ref> Zu sehen waren Elefanten, Tiger, Leoparden, Kragenbären und Bartaffen.<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 155.</ref> Nach den Schauen blieben die Tiere stets in der Wilhelma. Das war möglich, weil die provisorischen Unterkünfte weitaus aufwändiger und großzügiger gebaut worden waren als es für eine zeitlich begrenzte Ausstellung nötig gewesen wäre.<ref>Albert Schöchle: Das Schlitzohr. Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Gärtners und Tierfreunds. Theiss Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-8062-0269-9, S. 150.</ref> Bereits mehrere Wochen nach der Eröffnung der Vogelschau 1950 hatte das Finanzministerium die Entfernung der Tiere angeordnet. Daraufhin besuchte Schöchle den damaligen Finanzminister Karl Frank überredete ihn, ein Löwenjungtier zu taufen. Dies erregte das Interesse der Medien und Frank erkannte die Chance, seine Popularität durch die Wilhelma zu steigern, worauf er 1951 die Anordnung zurückzog.<ref name="Schöchle 154" /> 1956 wurde der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma gegründet.<ref>Website des Fördervereins, abgerufen am 30. Januar 2016.</ref><ref name="Ein Paradies in der Stadt">Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3, S. 188.</ref> 1960 billigte der Ministerrat mit Zustimmung des baden-württembergischen Landtages 1961 den weiteren Ausbau der Wilhelma zum zoologisch-botanischen Garten.

Ausbau

Im zerstörten Maurischen Landhaus entstand als erstes größeres Projekt das Nachttierhaus (1962). Erstes modernes Zoogebäude war das Aquarium, das 1967 eingeweiht wurde. 1968 folgten Raubtierhaus, Elefanten- und Nashornhaus sowie Flusspferd- und Tapirhaus. Albert Schöchle ging 1970 in den Ruhestand. Ihm folgte sein Mitarbeiter Wilbert Neugebauer, in dessen Zeit die Affenhäuser (1973), die Subtropenterrassen (1981), das Jungtieraufzuchthaus (1982), die südamerikanische Anlage (1977) und die Anlage für afrikanische Huftiere (1980) realisiert wurden. Der Biologe Dieter Jauch, zuvor Kurator des Aquariums, wurde 1989 der dritte Wilhelma-Direktor. In seiner Zeit entstand die vom Vorgänger geplante Anlage für Bären- und Klettertiere (1991) und der Schaubauernhof (1993), mit dem die Wilhelma ihre heutige Größe erreichte. Ebenfalls unter Jauch entstand die Vogelfreiflugvoliere mit Pinguinen und Kängurus (1993), das Amazonienhaus (2000), das Insektarium (2001), die Erweiterung des Bongogeheges (2003), die Umgestaltung der Krokodilhalle (2006), die Umgestaltung der Elefantenaußenanlage (2012), der Neubau der Erdmännchenanlage (2013), das afrikanische Menschenaffenhaus (2013), ein neues Freilandterrarium (2013) und die Erweiterung der Bisonanlage (2013).

Medien, Literatur, www

  • Jörg Kurz:„Vom Affenwerner bis zur Wilhelma“
  • Dieter Jauch: Wilhelma – Der zoologische-botanische Garten in Stuttgart. ISBN 978-3-87779-071-7
  • Wilbert Neugebauer: Die Wilhelma – Ein Paradies in der Stadt. ISBN 3-8062-1037-3
  • Albert Schöchle: Erlebte Wilhelma – Ein Begleiter durch das Pflanzen- und Tierreich. 5. Auflage. Stehn’s Buch- und Verlagshandlung



Grundlage ist der Wikipedia-Artikel über die Wilhelma. (Stand Aug. 2019) ………


Zitatnachweise, Anmerkungen: <references/>