Gedenkstätte Nordbahnhof

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Zwischen 1941 und 1945 wurden an den Freiladegleisen des Inneren Nordbahnhofs der Reichsbahn über 2.200 Juden aus Stuttgart und ganz Württemberg in die KZ nach Theresienstadt, Auschwitz, Riga und Izbica deportiert. An diese Ereignisse erinnert seit 2006 die Gedenkstätte am Nordbahnhof Zeichen der Erinnerung.

Es handelt sich um ein altes Güterbahnhofsgelände zwischen Pragfriedhof und der Nordbahnhofstraße, auf dem noch heute die ursprünglichen Schienen und Prellböcke zu sehen sind. Die fünf Gleise werden nun von einer 70 Meter langen Mauer begrenzt, auf der die Namen der von Stuttgart aus deportierten Juden sowie Sinti und Roma zu lesen sind. Am Kopfende der Gleisanlage befindet sich eine weitere, überdachte Wand mit Informationstafeln über die Gedenkstätte.

Die Opfer der Nazis wurden von ihnen zunächst in das Sammelllager auf dem Killesberg gebracht. Am 18. November 1941 ordnet die Stuttgarter Gestapo die erste Deportation im Rahmen der gesamteuropäischen Judenvernichtung an. Der NS-Ausdruck dafür lautete dann "Endlösung der Judenfrage".

Inhaltsverzeichnis

Die einzelnen Deportationen

  • Der erste Deportationszug von diesem Ort fuhr am 1. Dezember 1941 mit etwa tausend Menschen nach Riga in das KZ Jungfernhof los.
    • Von ihnen wurden bis auf rund zwanzig Personen alle direkt nach der Ankunft ermordet.
  • 26. April 1942 in das Sammellager Izbica bei Lublin,
    • 285 Personen nach Iżbica, es folgt die Ermordung in den Vernichtungslagern Belzec und Lublin-Majdanek, keine Überlebenden
  • 13. Juli 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz
    • 40 Personen, keine Überlebenden
  • 22. August 1942 in das KZ Theresienstadt
    • etwa 1100 Personen, davon ungefähr 50 Überlebende
  • 1. März 1943 nach Auschwitz
    • 35 Personen, davon überlebt eine Person
  • 17. April 1943 nach Theresienstadt und Auschwitz
    • 20 Personen, 4 Überlebende
  • 17. Juni 1943: 15 Personen nach Auschwitz (die meisten werden ermordet)
    • und rund 10 Personen nach Theresienstadt
  • 24. September: 2 Personen nach Auschwitz
  • 11. Januar 1944: 80 Personen nach Theresienstadt
    • Deportation von sog. »Mischehepartnern«, ungefähr 60 Überlebende
  • 30. November 1944 weitere Deportation von sog. »Mischehepartnern« in ein Durchgangslager in Bietigheim;
    • teilweise werden sie in ein Lager bei Wolfenbüttel weiter transportiert
  • 12. Februar 1945 weitere Deportation von sog. »Mischehepartnern« nach Theresienstadt
    • von den ca. 160 Personen überleben aufgrund des Kriegsendes fast alle.

Weblinks

  • Peter Steinbach: Testlauf für den Holocaust? Die historische Bedeutung der Deportation der südwestdeutschen Juden um die Realisierbarkeit der „Endlösung“ der Judenfrage in der Bevölkerung auszuloten. (arte.tv, Okt. 2011)

Literatur

  • Maria Zelzer: Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden. Ein Gedenkbuch. Stuttgart, 1964 (Sonderband der Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart)
  • Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Baden-Württemberg 1933–1945. Ein Gedenkbuch. Hrsg. von der Archivdirektion Stuttgart. Stuttgart, 1969 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivdirektion Baden-Württemberg, Beiband zu Bd. 20. Diese Liste bezieht auch die Verfolgungswellen der Euthanasie ein.)
  • Chronik der Stadt Stuttgart 1933–1945. Hrsg. von Kurt Leipner. Stuttgart: Klett-Cotta 1982 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Bd. 30).
  • Roland Müller: Stuttgart zur Zeit des Nationalsozialismus. Stuttgart, Theiss, 1988.
  • Der jüdische Frisör. Auf Spurensuche. Juden in Stuttgart-Ost. Hrsg. von der Stuttgarter Osten Lokalzeitung. Stuttgart, Silberburg Verlag, 1992.
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Die Juden in Deutschland 1933–1945. Leben unter nationalsozialistischer Herrschaft. München, C. H. Beck 1996 - 4. Aufl. (allgemein, nicht besonders auf die Situation in Stuttgart bezogen)
  • »Evakuiert« und »Unbekannt verzogen«. Die Deportation der Juden aus Württemberg und Hohenzollern 1941–1945. Hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Stuttgart, Landeszentrale für politische Bildung, 2002 - 2. Aufl. Als Download verfügbar: LZpB-BaWue

Siehe auch



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